Vom Zauber danach

Nach jeder Abschiedsfeier öffnet sich dieser besondere Raum. Ein stiller Punkt, der sich anfühlt, als würde die Zeit für einen Moment stehen bleiben. Alles wird weich. Tiefer. Behutsamer. Die Trauerfamilie ist gegangen. Ein Schleier liegt über dem Ort. Oft spüre ich der Abschiedsfeier noch etwas nach, bleibe noch eine Weile, helfe dem Friedhofsgärtner, das Grab zu decken. Richte die Blumen, streiche die Erde glatt und lege einen letzten Blick auf diesen kleinen, heiligen Ort. Sage still Adieu. Und fühle diese tiefe Dankbarkeit. Dafür, dass ich eingeladen war, in ein Leben einzutreten, das nicht meines ist. In ein Familiensystem, das gerade erschüttert wurde, und trotzdem die Türen weit für mich öffnete. Und dass ich mit meiner Herzensarbeit ein Stück mittragen konnte.

Während ich dort stehe, zieht alles nochmals an mir vorbei:

Die Gesichter der Angehörigen. Die Trauer, die sich manchmal in Tränen zeigt und manchmal in einem stummen, erstarrten Blick. Die warmen Hände, die meine drücken, als wollten sie für einen kleinen Moment Halt austauschen. Und dann diese Worte, die oft flüstern, brüchig klingen und mich doch mitten ins Herz treffen: Danke, es war so eine schöne Abschiedsfeier. Und manchmal sind es keine Worte. Ein Blick reicht. Ein Händedruck, der länger bleibt als gewöhnlich.

In solchen Momenten bin ich reich beschenkt. Ein Lächeln breitet sich in mir aus, leise und tief. Die stille Erkenntnis, dass dieses Ritual gehalten hat. Dass es berührt hat. Dass es wie ein behutsames Dach über der Trauer war. Denn ein Abschiedsritual ist viel mehr als einfach eine Trauerrede. Es ist ein zartes, sinnliches Berührtwerden, ein leises Erwachen für das, was unter allem Schmerz weiterlebt. Ein Raum, in dem Menschen nicht im Verlust versinken, sondern sanft aufgefangen werden. Worte und Stille, Blicke und kleine Bewegungen verweben sich zu einem Moment, der Herz und Sinn wieder zusammenführt.

Und manchmal führe ich durch etwas, das grösser ist als wir alle es fassen können:

Wenn der Sohn der Verstorbenen kurz vor Beginn zu mir kommt, und mit ruhiger Stimme sagt: «Ich möchte mein Mami selber zum Grab tragen.» 

Dann öffnet sich ein anderer Raum. Ein grosser, ein kraftvoller Raum. Ich begleite ihn zum Grab, Schritt für Schritt, während er sein Herz buchstäblich in den Armen hält. Und dann dieser Moment, indem er – während ich den Segen spreche die Urne langsam und ehrfürchtig in die Erde gleiten lässt. Seine Mutter. Seinen Ursprung. Mit seinen eigenen Händen gibt er sie zurück an die Erde, die uns alle trägt. Lässt sie los. Ein Moment, der tiefer wirkt als wir ahnen können.

Das ist Liebe, die keinen Schutzpanzer mehr braucht. Ein Momente voller Kraft, auch wenn er schmerzhaft ist. Ein Loslassen nicht durch Gesten, sondern durch Berührung.

Solche Augenblicke sind für mich pur. Sie bleiben tief in mir. Sie verändern die Art, wie ich meine Arbeit sehe, und auch, wie ich das Leben sehe. Sie erinnern mich daran, welche Kräfte Menschen entwickeln können.

Dann, wenn sie mutig den ersten Schritt tun, wenn sie Teilhabende, Mit-Gestaltende sind, Liebende bis zum letzten Moment. Und weit darüber hinaus. 

Wenn sie mutig hineingehen in diesen Moment, sich zeigen, laut oder leise, stark oder verletzt, mit Worten oder ihren Händen. Wenn sie statt dicht am Rand stehen zu bleiben, in das hineingehen, was bewegt.

Mit ganzem Herzen. Mit tiefem Atem.

Mit Entschlossenheit, Demut und echtem Mut.

Über mich

Daniela Hefti

In meiner Arbeit zeichnen sich Mitgefühl, Respekt und Offenheit als meine grundlegenden Werte aus. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen. Eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder willkommen fühlt und angenommen ist, liegt mir am Herzen.

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