Den Koffer packen

Bist du schon mal auf eine Reise, ohne dafür den Koffer zu packen?

Wohl kaum.

Denn meist bereiten wir uns sehr sorgfältig auf die Reise vor, die bevorsteht. In
Vorfreude überlegen wir, was wir brauchen könnten, schliesslich wollen wir für alle Fälle gerüstet sein.

Genauso durchdacht packen wir Mütter den Koffer, wenn die Geburt eines Kindes naht. Denn, ob wir dieser Geburt mit Freude und Vertrauen entgegensehen oder ob sie uns eher Angst macht: Wenn ein Kind sich ankündigt, wollen wir gut vorbereitet sein. Wir besuchen den Geburtsvorbereitungskurs, besichtigen den Gebärsaal oder das Geburtshaus, kaufen Bücher für dieses grosse Ereignis und für alles, was danach kommen mag. Und: wir packen eben diesen Koffer, mit allem, was uns für diese Reise wichtig erscheint. Denn die Geburt, wann und wie sie auch sein wird, ist unausweichlich.

Ebenso unausweichlich ist der Tod.

Egal, wie alt wir sind, wir alle wissen nie, was der nächste Tag uns bringt. Sicher ist nur, dass wir ihm, dem Tod, nicht ausweichen können. Vielen von uns macht dieser Gedanke Angst und so wird das leidige Thema gekonnt verdrängt.

Doch stell dir vor, wir würden alle den Koffer für diese letzte grosse (und vielleicht wichtigste) Reise packen. In unserem Gepäck befänden sich Reisedokumente wie Patientenverfügung,  Vorsorgeauftrag, Testament, und vielleicht auch persönliche Briefe an meine Liebsten. Vielleicht auch unsere Lieblingsmusik, Gedicht, Gebete oder Texte, die uns Halt geben oder Orientierung.

Vielleicht ein Lieblings-Duftöl, die vertraute Bodylotion. Und noch etwas Weiches, ein Kuscheltier, ein Stückchen Fell (so wie es meine Mama in den Tagen des Sterbens stets auf ihrer Brust hatte) oder ein paar besonders  liebgewonnene Fotos. Und vielleicht wäre auch ein Dokument dabei, das unseren Liebsten Entscheidungen erleichtert, wenn es um die Zeit danach geht:

  • Habe ich Wünsche für das Einsargen?
  • Überlasse ich das einem beliebigen Bestatter oder wähle ich bewusst einen, von dem ich weiss, dass er meine Liebsten miteinbezieht, ihnen Zeit und Raum gibt und sie auf achtsame Weise begleitet?
  • Wie und wo möchte ich aufgebahrt sein, wer soll informiert werden?
  • Werde ich eingeäschert?
  • Wie soll die Abschiedsfeier aussehen, wo wird mein letzter Platz sein, wer
    soll über mich sprechen und was ist mir dabei besonders wichtig?

Wäre es nicht ein liebevolles Annähern an eine Reise, auf die wir uns garantiert alle begeben? Und wäre es nicht ein schöner letzter Dank an mich selbst, ein Akt der Selbstliebe und Selbstfürsorge und gleichzeitig ein wunderbares, grosses Geschenk an meine Liebsten, in einer Phase in ihrem Leben, wo vielleicht nichts mehr ist, wie es einmal war?

Und wenn es dir jetzt völlig absurd vorkommt, einen Koffer zu packen:

Wäre es nicht durchaus sinnvoll, vor dieser letzten Reise mit unseren Liebsten zumindest über unsere Vorstellungen zu sprechen?

Was wäre, wenn wir damit heute beginnen?

Über mich

Daniela Hefti

In meiner Arbeit zeichnen sich Mitgefühl, Respekt und Offenheit als meine grundlegenden Werte aus. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen. Eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder willkommen fühlt und angenommen ist, liegt mir am Herzen.

Mein Angebot

Abschied Feiern

persönlich – würdevoll – achtsam – religionsunabhängig

Trauerbegleitung

In Zeiten der Trauer Halt und Mitgefühl erleben 

Psychoaktive Massage

Mehr als nur Berührungen